Wochenmärkte sind keine Bauernmärkte

Da es auch auf meiner To-Do-Liste stand, war ich am Donnerstag auf dem Wochenmarkt in meinem Stadtviertel und war ziemlich enttäuscht. Zwar bekam ich dort Butter in Papier und Käse im eigenen Behälter. Davon abgesehen war die Auswahl für müllfreie Einkäufer, die großen Wert auf regionale Produkte legen, so ziemlich mau. Obst und Gemüse aus aller Herren Länder machten sich breit und ließen kaum Platz für regionale Früchte. Das hat mir erst einmal Kopfzerbrechen bereitet, wo doch alle immer Bauernmärkte als DIE Quelle für Regionales anpreisen. Stimmt ja auch, denn Wochenmärkte sind in München keine Bauernmärkte, wie ich danach im Internet herausfand.

Wochenmärkte als Antwort auf rasantes Stadtwachstum

Nach dem Krieg erlebte München einen Wachstumsboom und neue Stadtviertel am Stadtrand schossen in die Höhe. Da die Stadt aber mit der nötigen Infrastruktur (inkl. Einkaufsmöglichkeiten) nicht hinterher kam, installierte sie für jedes Stadtviertel Ende der 60er Jahre einen Wochenmarkt, der von den Markthallen (Großmarkthalle & Schlachthof) beliefert wird. Wenn man sich die Zahlen der Großmarkthalle so ansieht (270 Import- und Großhandelsunternehmen, jährlich ca. 600.000 Tonnen Waren in 140 Gattungen aus 83 Ländern) bekommt man schon eine Idee, warum da nicht mehr viel Regionalität im Angebot steckt. Aha!

Mehr erfahren? Wikipedia: Münchner Wochenmärkte oder Auflistung der Wochenmärkte (Stadtportal)

Bauernmärkte als Marktplatz für Bauern aus der Region

Für die Förderung des regionalen Angebots wurden Ende der 80er Jahre dann Bauernmärkte als reine Selbsterzeugermärkte eingerichtet. Diese verwalten sich selbst, mehr Infos auf der Webseite des Münchner Bauernmarkt e.V.

Ich war heute morgen auf dem Bauernmarkt in der Maxvorstadt, vor der Pinakothek der Moderne. Der Bauernmarkt ist klein und beschaulich, aber selbst bei Regenwetter sehr gut besucht. Bei der Frische und Fülle an Angebot würde ich hier auch jeden Samstagmorgen einkaufen, wären nicht 4 km Radfahren dazwischen.

Die Angebotspalette reicht von selbstverständlich saisonalem und regionalem Obst und Gemüse, über Milchprodukte wie Käse und Butter, Eier, Honig, (Fleisch/Fisch/Wurst) und Blumen bis hin zu Selbstgemachten (Gemüsekuchen, süße Kuchen, Apfelmus, Marmelade, Eingemachtes, Brot, Nudeln, Öle, …)  und Getränke (Wein, Sekt, Schnaps, Apfelwein, Apfel-, Trauben-, Hollersaft, …). Puh. Ich habe mir gegönnt: Ziegenfrischkäse ins mitgebrachte Gefäß (hmmmmm!), Trauben aus Bayern (schon aufgegessen) und ein paar ausgefallene Chilischoten. Zu gerne hätte ich den Apfelsaft vom Bodensee auch noch gekauft, aber der war mir dann doch zu schwer für den Rucksack.

Die 25 Jahre Bestehen feiert der Bauernmarktverband nun schon das ganze Jahr über, am übernächsten Sonntag (28. September) auf dem Odeonsplatz und in der Ludwigsstraße auf der Großen Bauernmarktmeile.

Und der Viktualienmarkt?

Wer das Sortiment des Viktualienmarktes kennt, dem wird schnell klar, das auch hier kein Bauern ihre Eigenerzeugnisse verkaufen. Auch der Viktualienmarkt ist unter Regentschaft der Stadt und wird größtenteils von den Markthallen versorgt. Dennoch ist das Angebot deutlich vielfältiger und traditioneller als auf Bauernmärkten. Ich habe heute nach loser Trockenware gesucht und diese auch beim Gewürzwerk (schaut euch mal die Bilder an!) gefunden: Sojabohnen, Reis und Pinienkerne. Vorbildlich vom Verkäufer in Papiertüten gepackt. Da kann ich gleich wieder meine Plastik- und Alufreie Einkaufsliste ergänzen.

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4 Gedanken zu “Wochenmärkte sind keine Bauernmärkte

  1. Halten Dich 4 km mit dem Rad fahren wirklich davon ab, den Markt regelmäßig zu besuchen? Das sind gerade mal 15 Minuten mit dem Fahrrad zu fahren. Unser nächster Milchautomat liegt 3,2 km weit entfernt und wir fahren regelmäßig nur wegen der Milch dort hin.

    Ich betrachte Radfahren auch als körperliche Ertüchtigung. Andere gehen ins Fitness-Studio, ich fahre Milch holen. Ich glaube, dass ich es schöner habe als im Fitness-Studio im Raum auf der Stelle zu fahren.

    lg
    Maria

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  2. Ja, irgendwie hält mich das schon ab. Ich radle die Strecke bei trockenem Wetter 5 Tage die Woche in die Uni/Arbeit, am Samstagvormittag muss ich nicht unbedingt nochmal 30 Minuten treten für ein Stück Käse. 30 Minuten Fahrradfahren in der Stadt ersetzen sportmedizinisch gesehen auch nicht den Sport an sich (ich bevorzuge kostenloses Joggen in den Isarauen), da der Puls nicht in den Trainingsbereich kommt. Für die Müll-Challenge habe ich das gern gemacht, für den Alltag braucht es dann eine praktikablere, zeitsparendere Lösung.

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  3. ich versuche auch wo geht auf verpackungen zu verzichten und habe deswegen immer eine stofftasche in meiner handtasche. die kommt dann ebenfalls am wochenmarkt zum einsatz, der – wie du schon richtig sagst – auch bei uns in wien kein bauernmarkt ist. allerdings achte ich darauf, trotzdem möglichst obst und gemüse aus österreich zu kaufen (das müssen die anschreiben).
    lg. tanja

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    • Hallo Tanja, ich finde auch, dass es sehr wichtig ist, auf regionale Produkte zu achten (zusätzlich zum Bio-Aspekt). Wo es geht, möchte ich auch noch kleinere landwirtschaftliche Betriebe unterstützen, weswegen ich die Biokiste beziehe. Da ist nur leider im Winter kaum Obst drin (Äpfel, Birnen, Birnen und Äpfel). Daher werde ich wahrscheinlich den Winter über ne Ausnahme machen und ENDLICH WIEDER BANANEN ESSEN! Yeah!! 😉

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