Gastbeitrag: Wie ich mit drei Kindern minimalistisch leben kann

Im Zeichen des Minimalismus gehe ich diesen Monat etwas sparsamer mit meinen Worten um und gebe daher das selbige an die erste Gastautorin hier auf Konsumexperiment. Sina hat ihre Liebe zum Wort zur Berufung gemacht und bloggt auf Sina Jasur über ihren Familienalltag zwischen Minimalismus und veganer Ernährung. Weshalb sie einen minimalistischen Lebensstil wählte und wie der sich auf das Familienleben auswirkt erzählt sie uns nun.

Worum es beim Minimalismus wirklich geht oder wie ich mit drei Kindern minimalistisch leben kann

Darf ich mich Minimalist nennen, auch wenn ich mehr als 100 Dinge besitze? Für mich ist Minimalismus eine Lebensphilosophie, bei der es um weit mehr als unseren Besitz geht. Ich bin Sina, Mama von drei goldigen Kindern und Frau eines Workaholic, der nebenbei auch noch Leistungsport betreibt. Ich habe den normalen Weg verlassen und mich gerade selbständig gemacht, mit dem Ziel, tatsächlich mit den Dingen Geld zu verdienen, die mir Spaß machen.
Wie passt da der Minimalismus rein? Ich habe keine Zeit! Ohne Minimalismus wäre ich verloren und würde wahrscheinlich recht bald zusammenbrechen. Für mich ist Minimalismus ein Lebensretter:

  1. Er hilft mir dabei, einen übersichtlichen Kleiderschrank zu haben. Ich habe nicht die Zeit, um stundenlang zu shoppen und ewig zu überlegen, was ich heute anziehen will. Top aussehen möchte ich natürlich trotzdem. Also habe ich nur noch die Sachen, die mir wirklich stehen und passen und ich kaufe nur neue Kleidung, wenn wirklich mal was kaputt geht.
  2. Minimalismus hilft mir beim Aufräumen. Je weniger Zeug wir haben, desto weniger muss ich rumräumen. Wir wohnen zu fünft in einer 83qm Wohnung. Da können wir uns viel Kram nicht erlauben. Wir wollen möglichst nur das Notwendigste besitzen, damit wir uns nicht ständig um unsere Sachen kümmern müssen. Ich möchte eine schöne Zeit mit meinen Kindern verbringen und nicht permanent räumen und putzen. Ich freue mich deshalb immer, wenn ich endlich wieder etwas loswerden konnte.
  3. Minimalismus hilft mir auch beim Essen. Ich lasse Fleisch, Milchprodukte, Eier und möglichst auch alles Verarbeitete weg: das macht das Einkaufen schon mal viel leichter, nach einer gewissen Umstellung natürlich. Ich packe nicht mehr alles in den Wagen, worauf ich gerade Lust habe, sondern überlege mir vorher, was wir wirklich brauchen. Heute führt mich mein Weg vor allem durch die Obst- und Gemüseabteilung. Fast den ganzen Rest des Supermarktes kann ich links liegen lassen :-). Das ist gesund, spart Zeit und Geld!
  4. Geld ist überhaupt so eine Sache: wir Minimalisten (ich bezeichne mich jetzt einfach mal so), brauchen nicht so viel Geld, weil wir nicht alles haben müssen, was andere auch haben. Was macht mich denn tatsächlich glücklich? Da passt dieses wunderbare Zitat von Albert Einstein: „Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.“ Das ist so was von wahr und mir erst durch meine Kinder richtig bewusst geworden. Klar brauchen wir was zum Essen und Kleidung und eine Wohnung – aber der Rest? Als ich mich selbständig gemacht habe, war erstmal Ebbe in der Familienkasse, aber uns wurde auch bewusst, dass wir gar nicht wissen wie viel Geld wir wirklich jeden Monat brauchen, um entspannt zu leben. Wir haben immer achtlos Geld verdient und es achtlos wieder ausgegeben – es war am Ende des Monats einfach weg… Minimalismus hilft mir auch hier: ich habe alle sinnlosen Abos gekündigt (Zeitungen, Mitgliedschaften in Fitnessclubs, Fernsehabos). Das ist toll. Minimalismus kostet nichts. Am Ende hast Du mehr Geld übrig oder noch besser: Du musst nicht mehr so viel verdienen und kannst weniger arbeiten und dafür mehr leben.
  5. Ich wende Minimalismus auch bei meinen Freunden und Bekannten an. Das klingt jetzt egoistisch, aber wenn mich Freunde fragen, ob ich ausgehen will, sage ich nicht aus Höflichkeit sofort ja. Ich überlege genau, ob ich das wirklich möchte, ob es mir gut tun wird, oder ob es mir überhaupt etwas bringt – Selbstschutz ist das. Mittlerweile vertrete ich die Auffassung, dass wir uns selbst wichtiger nehmen müssen, um letztendlich die Kraft zu haben, allen anderen in unserem Umfeld zu helfen. Das sage ich vor allem als Mama von drei Kindern. Wenn ich immer nur an andere denke und zuletzt an mich, gehe ich irgendwann kaputt. Ich möchte mich auf die Freunde und Familienmitglieder konzentrieren, die mir wirklich wichtig sind. So kann ich schlussendlich am meisten geben.
  6. Das wende ich auch auf meine zahlreichen freiwilligen Engagements an: ich musste radikal kürzen. Ich war zum Beispiel Schatzmeisterin eines Vereins. Es hat mir keinen Spaß gemacht und der Verein selbst lag mir auch nicht so am Herzen. Also habe ich mich davon befreit und mir ist eine große Last von den Schultern genommen. Dafür kann ich mich weiter entspannt in Kita und Schule meiner Kids engagieren, aber auch hier passe ich auf, dass ich nicht alle möglichen Aufgaben übernehme, sondern vor allem die, die mir liegen und auch Spaß machen.
  7. Ein weiterer Bereich, den ich gern minimalistischer gestalten will, ist mein Kopf, also mein Denken :-). Ich muss so vieles organisieren, um den Familienalltag im Griff zu haben, und dann habe ich auch noch ständig neue Ideen, Dinge, die ich ausprobieren möchte. Aber das kann ich nicht alles auf einmal tun und schon gar nicht alles auf einmal denken. Ich brauche einen ruhigen, konzentrierten Geist. Deshalb schreibe ich ToDo-Listen, um meinen Kopf frei zu halten. Und ich werde wieder mit dem meditieren anfangen, um zu lernen, Gedanken einfach mal ziehen zu lassen, ohne sie gleich aufzugreifen.

Ihr merkt: Minimalismus ist für mich eine aufregende Sache, ein super Begleiter im Alltag, eine Lebenshilfe. Uns wird jeden Tag so viel geboten. Durch den Minimalismus beginne ich zu begreifen, dass ich nicht alles annehmen und haben muss. Das ist unglaublich befreiend. Ich habe damit schon so viele Räume für mich geschaffen. Ich bin natürlich nicht am Ende – vielleicht werde ich das nie sein. Wir dürfen das mit dem Minimalismus auch nicht zu verbissen sehen – meine Kinder zum Beispiel kann ich kaum zu kleinen Minimalisten machen. Kinder sammeln unheimlich gerne Dinge, sie lieben Schätze. Das möchte ich ihnen nicht nehmen. Das brauchen sie wahrscheinlich auch für ihre Entwicklung. Aber ich kann ihnen ein Vorbild sein und ihnen zeigen, dass es nicht Gegenstände sind, die uns glücklich machen.
Deshalb würde ich mich schon als Minimalistin bezeichnen, obwohl ich immer noch in einer recht voll gestopften Wohnung lebe mit, bestimmt mehr als 100 Gegenständen in meinem Besitz – ich habe ehrlich gesagt, nie nachgezählt 🙂

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3 Gedanken zu “Gastbeitrag: Wie ich mit drei Kindern minimalistisch leben kann

  1. Pingback: Was es auf dem Blog “konsumexperiment” zu lesen gibt | Sina Jasur

  2. Pingback: Minimalismus mit Kindern - passt das überhaupt zusammen

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